Aus Alt mach Neu

Aus Alt mach Neu

(Handout für Studierende)

Lernziele

  1. Texte zusammenfassen können.
  2. Wichtige Inhalte eines fremden Textes in eigenen Text integrieren können.
    • Eigenen Standpunkt dabei sprachlich sichtbar machen können.
    • Kritische Haltung sprachlich sichtbar machen können.

Hauptschritte

  1. Einen Text auf seine Hauptaussagen reduzieren. (Schritt 1)
  2. Auf der Grundlage dieser Aussagen eine → Zusammenfassung des Textes schreiben. (Schritt 2)
  3. Zusammenfassung überarbeiten, indem die einzelnen Aussagen im Sinne einer sorgfältigen, neutralen Berichterstattung paraphrasiert werden. (Schritt 3)
  4. Einige dieser Aussagen kritisch kommentieren. (Schritt 4)

Schritt 1

Text auswählen

  • Wählen Sie für Übungszwecke einen nicht allzu einfachen Artikel aus.

Vorgehen

  • Nummerieren Sie die einzelnen Absätze.
  • Überfliegen Sie den Text zügig, um einen ersten Eindruck zu erhalten (ca. 5 Min.).
  • Fassen Sie die Inhalte Absatz für Absatz zusammen und beantworten Sie dabei die folgenden Fragen schriftlich:
    1. Welches Thema wird in diesem Absatz behandelt?
      Das Thema soll jeweils in einer Überschrift formuliert werden: Das kann ein Schlagwort sein oder auch eine Frage.
    2. Welche Hauptaussage wird zu diesem Thema in diesem Absatz formuliert?
      Diese Hauptaussage soll in einem Aussagesatz festgehalten werden.

Beispiel
Thema: Therapeutische Beziehung
Hauptaussage: Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient sollte mehr reflektiert werden.

Schritt 2

Schreiben Sie auf der Grundlage von Schritt 1 eine Zusammenfassung. Sie können so vorgehen, dass Sie die einzelnen Aussagen einfach aneinander reihen; Sie können aber auch einen ganz neuen Text schreiben.

Beispiel
Originaltext: Kurzum, die beratende Beziehung stellt eine Form sozialer Bindung dar, die sich von jedweder anderen Bindung unterscheidet, die der Klient bis dahin erfahren hat. (Aus: Rogers 1972, S. 83)
Zusammenfassung: Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist für den Klienten eine unbekannte Form sozialer Bindung.

Schritt 3

Überarbeiten Sie Ihre Zusammenfassung so, dass an jeder Stelle erkennbar ist, um wessen Meinung es sich handelt. Sie können sich dazu bestimmter Wendungen bedienen, zum Beispiel:

  • Nach Meinung der Autorin/ von Hurrelmann (1995) ist …
  • Die Autorin/Hurrelmann (1995) vertritt die Position …
  • Die Autorin/Hurrelmann (1995) betont …
  • …, so Hurrelmann (1995) …
  • … sei …

Suchen Sie gemeinsam mit andern solche sprachlichen Wendungen: Probieren Sie sie aus und diskutieren Sie die Wirkung.

Beispiel
Überarbeitete Zusammenfassung: Rogers (1972) betont, dass die Beziehung zwischen Therapeut und Klient für den Klienten eine unbekannte Form der sozialen Bindung ist.

Schritt 4

Verkehren Sie 2-4 der Hauptaussagen aus Schritt 1 in ihr Gegenteil.

Beispiel
Aussage: Die Beziehung zwischen Klient und Therapeut ist eine ganz andere Art sozialer Bindung, als sie der Klient in seinem bisherigen Leben erfahren hat.
Negation der Aussage: Nein! Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient ist keine ganz andere Art sozialer Bindung, als sie der Klient in seinem bisherigen Leben erfahren hat.

  1. Überlegen Sie anschliessend, welche Gründe sich für die gegenteilige Auffassung anführen liessen und notieren Sie sie. Sie dürfen dabei ruhig erfinderisch sein.
  2. Welche der notierten Gedanken sind für eine kritische Auseinandersetzung brauchbar? Welche sollten besser aussortiert werden (streichen Sie sie allenfalls gleich durch)?
  3. Welcher kritische Kommentar lässt sich aus den brauchbaren Gedanken entwickeln? Was lässt sich an der Position der Autorin oder an der Darstellung ihrer Position beanstanden? Hat der Autor zum Beispiel etwas übersehen? Verwickelt sie sich in Widersprüche? Oder drückt er sich missverständlich aus?
  4. Arbeiten Sie Ihren kritischen Kommentar in Ihre überarbeitete Zusammenfassung ein. Auch hier können Sie sich typischer Wendungen bedienen. Beispiele:
    • Ganz zu Recht betont Hurrelmann (1995) …
    • Die Autorin stellt ohne Begründung die These auf, dass …
    • Hurrelmann (1995) behauptet pauschalisierend, dass …
    • Merkwürdigerweise findet in der Darstellung von Hurrelmann (1995) die Tatsache keine Berücksichtigung …

Leicht verändert nach: Kruse/Ruhmann (2003)

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