Schreibberatung

NEWSLETTER #05

September 2010


Im Zuge der Professionalisierung von Lehrpersonen hat das wissenschaftliche Arbeiten und damit auch das wissenschaftliche Schreiben und Lesen einen stärkeren Stellenwert in der Ausbildung erhalten. Wie sich das in der Lehre widerspiegeln kann, ist Thema dieses Newsletters: von der Frage, wie Studierende zu Beginn ihres Studiums ins wissenschaftliche Schreiben eingeführt werden können, welche Hilfsmaterialien zur Verfügung stehen bis hin zu zwei ganz unterschiedlichen Texten, die sich mit qualitativen und quantitativen Forschungszugängen (auch) in der Lehre befassen. Abgerundet wird dieser Newsletter mit einem Tipp zum forschenden Lernen in der Schule.

Herzliche Grüsse
Afra Sturm und Res Mezger


Studierende als ForschungspraktikantInnen

Studierende sind im Hinblick auf das wissenschaftliche Arbeiten und Schreiben – vor allem am Anfang ihres Studiums – mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Eine besonders schwierige Aufgabe stellt für Studierende das Erstellen eines Forschungsüberblicks dar (Ortner 2000: 492). Die Schwierigkeit besteht hauptsächlich darin, eine Vielzahl von Texten in ein einziges Dokument zu überführen. Spätestens bei Bachelor- und Masterarbeiten müssen Studierende aber eine Art Forschungsüberblick verfassen können.

Gerade in einer schreibintensiven Veranstaltung wie der «Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten» bietet es sich deshalb an, Lern- und Schreibaufgaben entsprechend anzupassen. Da das Meistern von schwierigen Aufgaben als stärkste Quelle von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen gilt (Bandura 1995), kommt bewältigbaren und situierten Schreibaufgaben in diesem Kontext ein besonderes Gewicht zu.

Im von uns durchgeführten Einführungskurs simulierten wir anhand eines experimentellen Zugangs mit den Studierenden einen vollständigen Forschungsprozess: Die einzelnen (Schreib-)Aufgaben waren dabei immer an eine bestimmte Phase im Forschungsablauf angebunden. Das wichtigste Ziel dabei war es, den Studierenden einen strukturierten Zugang zum Umgang mit einer Vielzahl von eigenen (Zwischen-)Texten zu ermöglichen.

Wenn Sie mehr über schreibintensive Veranstaltungen erfahren möchten: Wir beraten Sie gerne!

Bandura, Albert (1995): Exercise of personal and collective efficacy in changing societies. In: Albert Bandura (Hrsg.): Self-efficacy in changing societies. Cambridge: Cambridge University Press. S. 1–45.
Ortner, Hanspeter (2000): Schreiben und Denken. Tübingen: Niemeyer. (= Reihe Germanistische Linguistik 214).



Forschungsjournale und andere Nützlichkeiten

Für die unterschiedlichen Phasen im Forschungsprozess stehen auf unserer Homepage eine Reihe von Materialien und Vorlagen zur Verfügung: mit dem wissenschaftlichen Dreisatz lässt sich die Fragestellung präzisieren; das Forschungsjournal ist ein ideales Denkwerkzeug und eine wichtige Quelle für die Weiterverarbeitung; Vorlagen wie solche zu Leitfadeninterviews oder zum Verfassen einer schriftlichen Arbeit dienen der Orientierung und können die Studierenden entlasten.

Es werden laufend neue Materialien, Vorlagen oder auch Handreichungen entwickelt. Wenn Sie etwas vermissen: Gerne nehmen wir Ihre Anregungen entgegen!



Ein Manifest zu qualitativen Forschungsmethoden

 

Im März dieses Jahres präsentierte die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften ein «Manifest zur Bedeutung, Qualitätsbeurteilung und Lehre der Methoden der qualitativen Sozialforschung». Es umfasst Qualitätsstandards für qualitativ ausgerichtete Forschungsverfahren sowie Vorschläge für die systematische Aufnahme qualitativer Methoden in die Lehrpläne der Geistes- und Sozialwissenschaften. Das Manifest richtet sich nicht nur an Universitäten, sondern auch an Fachhochschulen.

? http://bit.ly/9I1qy8 (www.sagw.ch)



Ein Lehrbuch zu quantitativen Forschungsmethoden

 

Mit dem Lehrbuch von Hauser & Humpert (2009) liegt nun erstmals eine Einführung in quantitative Forschungsmethoden vor, die sich ausschliesslich an Lehrpersonen richtet. Dabei werden nicht nur die Grundlagen der beschreibenden und schliessenden Statistik erläutert, sondern auch den wissenschaftlichen Arbeitsweisen und Verfahren der Datenerhebung je ein Kapitel gewidmet. Das Buch – so die Reihen-Herausgeber im Vorwort – verfolgt nicht zuletzt das Ziel, «zu einer Art statistical literacy» hinzuführen: In diesem Sinne wäre eine breitere Diskussion von schulischer Leistungsmessung, von standardisierten und nicht-standardisierten Tests wünschbar gewesen. Analog zu den anderen Bänden der Reihe liegt eine CD-ROM mit Übungen bei.

Hauser, Bernhard und Humpert, Winfried (2009): Signifikant? Einführung in statistische Methoden für Lehrkräfte. Zug: Klett und Balmer. (= Lehren lernen Lernen – Basiswissen für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung).



Forschen im Unterricht

«Forschend-entdeckendes Lernen» oder «Forschen und Experimentieren» findet nicht nur im Hochschulunterricht statt, sondern hat sich auf allen Schulstufen im Unterrichtsalltag vieler Lehrpersonen bereits etabliert. Sichtbar wird dies in vielen neueren Lehrmitteln (auch in Sprachlehrmitteln) sowie im Internet. Zwei Links seien hier exemplarisch angeführt:
www.swise.ch
http://kinderforschen.ch

Auf der letzteren Website wird in der Fotogalerie gut sichtbar, welche Rolle dabei dem Schreiben zukommt. Zum Schreiben in allen Fächern finden Sie auf unserer Hompage in der Rubrik «Für die Schulpraxis» einen Grundlagentext für die Schulpraxis.

 

 

Schreibberatung
FHNW, Pädagogische Hochschule
Institut Forschung & Entwicklung, Zentrum Lesen
schreibberatung.ph@fhnw.ch

www.schreiben.zentrumlesen.ch

 

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